Szene
Triker

Die Zeitschrift für Szene-Triker

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Es war wohl das verflixte siebte Jahr, das unsere

eheähnliche Gemeinschaft nicht überstanden hat.

Ja, es ist wahr: wir haben uns getrennt ! Es ist endgültig

aus und vorbei.

War ‚ne schöne Zeit. Und trotzdem, wir haben uns

getrennt. Jaja - von unserem Trike. Ach was, nein,

nicht von der Frau. Nein, DIE Verbindung ist sowieso

... unauflöslich, wenn ich das mal so sagen darf.

Aber das Trike, das haben wir sozusagen zur

Adoption freigegeben. Es lebt jetzt irgendwo in

Hessen. Gut soll’s ihm gehen, wie man so hört. Und

vielleicht sieht man sich ja mal, irgendwo da draußen.

Irgendwann war Zeit für was Neues. Und weil es

wohl auch das letzte Gefährt sein wird, das uns

dann bis zur Triker-Rente begleiten soll, haben wir

weder Kosten noch Mühen gescheut. Besonders

keine Kosten ... Kurz und gut, es wird ein RF1 und

zieht im Herbst bei uns ein.

Um die trikelose Zeit zu überbrücken und schon mal

ein Gefühl für Mittelschaltung, Leichtgewichtigkeit,

Handling und Fahreigenschaften zu bekommen,

hatten wir kurzerhand beim Dieter Edel in Mühlacker

eine Tour gebucht. Mit dem Leihtrike in's

Zillertal, so lautete der Beschluss.

Anfang Juni war es dann soweit. 500 Kilometer

Anreise mit dem Auto, anschließend kurze Einweisung

auf einem RF1 LT. Das ist das Modell von

rewaco mit den eigenartigen Pollern links und rechts

vom Beifahrer. Ein prima Handtaschenersatz, wie

Zuckerhuhn sehr schnell herausgefunden hat. Und

obwohl eigentlich für die Aufnahme von zwei Helmen

gedacht, finden Geldbörse, Kamera, Mamas

Strickjacke und anderer Kleinkram ziemlich schnell

ihren Weg in die abschließbare Kleiderkammer.

Einziger Nachteil: die Helme mussten dann trotzdem

wieder draußen bleiben. Man kann eben nicht

alles haben ...

Von Mühlacker geht's dann per RF1-Express über

die Autobahn nach Jungholz. Das Trike fühlt sich gut

an und erfüllt vom ersten Eindruck her alle

Erwartungen. Die bedrohlichen Regenwolken andauernd

im Nacken, holen sie uns dann irgendwann

doch noch ein. Apropos: Laut Wetterbericht

steht zu befürchten, dass das Wetter das ganze

schöne Tourwochenende so bleibt. Ein so kaltes und

feuchtes Frühjahr hatten wir schon lange nicht mehr.

Kurz hinter der österreichischen Grenze findet sich

ein schönes kleines Hotel mit dem Namen

"Alpenhof". Der Kamin brennt im Foyer und anscheinend

sind wir die Ersten. Kein Wunder, es war

das falsche Hotel! In Jungholz gibt es mehr als einen

Alpenhof. Bloß gut, dass wir uns die Regenklamotten

noch nicht vom Leib gerissen hatten. Nach wenigen

Minuten ist die richtige Herberge gefunden und

siehe da: wir sind wohl fast die Letzten.

Das Gepäck ist schnell verstaut, die Regenklamotten

sind zum Trocknen aufgehängt und das

Begrüssungsbierchen hat auch schon seinen Weg

durch den durstigen Schlund gefunden. Der

Alpenhof bietet ein sehr angenehmes Ambiente und

das atemberaubende Dekolleté der blonden

Kellnerin war mir schon an der Rezeption in's Auge

gefallen. Beim abendlichen Kennenlernen stellen sich

die Teilnehmer gegenseitig vor und es wird deutlich,

dass allerhand Trikeneulinge mit von der Partie sind.

Dieter Edel weist sie alle in seiner gewohnt professionellen

Art in die Probleme der Gruppendynamik

beim Touren fahren ein. Das exzellente Abendmahl

hat Gourmetqualität, der Wein ist vorzüglich und am

Ende fühlen wir uns für die Mühen des Tages wahrhaft

entschädigt.

Es ist Fronleichnam. Auch in Österreich ein Feiertag.

Die Dachrinne hat erst sehr spät in der Nacht zu

plätschern aufgehört und der Tag empfängt uns wieder

mit Matschwetter. Wenigstens die Klamotten sind über Nacht getrocknet und so beginnen wir unsere

Reise nach einem ausgiebigen Frühstück und einen

letzten Blick auf ... (pst ... das kann ich jetzt nicht

schreiben, Zuckerhuhn liest mit).

Ortsdurchfahrten sind für Gruppen nicht immer

ganz einfach. Umso erstaunlicher ist es, das Insbruck

ohne Verluste passiert wird. Gegen Mittag klart das

Wetter endlich auf und die Sonne hat Gelegenheit,

uns mit ein paar wärmenden Strahlen zu verwöhnen.

Ein kurzer Zwischenstopp zu Mittag ermöglicht

die nächsten positiven Erfahrungen mit der landestypischen

Küche. Das Tagesziel im Zillertal ist Gerlos.

Ein typischer, auf die Ski-Saison ausgerichteter kleiner

Ort, der fast ausschließlich aus Hotels und

Pensionen zu bestehen scheint. Wir finden Quartier

im familiär geführten 4-Sterne-Hotel "Alpenblick".

die Zimmer sind angenehm groß, komfortabel eingerichtet

und der Service im Haus ist erstklassig. Das

Hotel gehört zur Garni-Gruppe und Familie Kammerlander

bietet daher nur Frühstück an. Aber das

ist ausgesprochen gut und die Tatsache an sich bietet

Gelegenheit, sich zum Dinner jeweils ein

Restaurant eigener Wahl im Ort auszusuchen. Die

Wintersaison in Gerlos ist vorbei und man trifft

eigentlich nur noch sehr wenige Touristen. Dafür ist

allenthalben der Bauboom ausgebrochen. Überall

wird neu- oder umgebaut für die nächste Generation

von Pistenjunkies. Wer Spaß daran hat, kann

abends im Hotel einen Saunagang einlegen, sich im

Pool ersäufen oder andere sinnliche Genüsse aus

dem Wellnessangebot des Hotels in Anspruch nehmen.

Auch ein Tischfussball steht für abendliche

Turniere zur Verfügung, falls einem nach dem

Absacker

der Sinn nach sportlicher

Betätigung steht.

Es war ein langer Tag und für morgen verheißt der

Wetterbericht nicht all zuviel Gutes.

Dem launischen Wetter geschuldet beschließt die

Gruppe kurzerhand für den nächsten Tag, die

Zillertaler Höhenstraße zu befahren. Den Großglockner,

der ursprünglich auf dem Plan stand, wird

vorerst verschoben. Die Strecke über die alte Höhenstraße

ist bei schönem Wetter ein Sahnebonbon für

jeden, der Spaß am Kurven fahren hat. Unser Weg

führt uns zunächst über Mayrhofen nach Hintertux.

Die Qualität der Straße ist zwar weniger beeindruckend,

aber wer schmale, enge und vor allem

gewundene Strecken mit zum Teil erhabenen

Ausblicken auf die Zillertaler Bergwelt mag, dem sei

diese Strecke unbedingt empfohlen. Man muss allerdings

jederzeit mit Gegenverkehr rechnen, der zum

Beispiel in Form eines riesigen Traktors hinter der

nächsten Kurve lauern kann. In solchen Situationen

ist man gut beraten, wenn man genau einschätzen

kann, wie breit das eigene Trike ist. Die anfangs

noch regennassen Straßen stellen insbesondere für

unseren Harleyfahrer mit nur zwei Rädern eine

echte Herausforderung dar. Mit jedem Kilometer

wird aber auch das Wetter besser und am

Schlegeisspeicher holen wir uns die ersten verbrannten

Nasenspitzen. Leider ist der Wasserstand

des aufgefangenen Gletscherwassers relativ niedrig.

Es genügt aber, um die beeindruckende Dimension

dieses von einem herrlichen Alpenpanorama umgebenen

Speicherbeckens mit seiner 131 Meter hohen

Staumauer und dem blau schimmernden Wasser zu

erahnen.

Die Rückfahrt zum Hotel ist schnell geschafft und der

Tag klingt mehrfach mit den Worten aus: "Schatz,

die Pizza schaff' ich nicht !'.

Den Großglockner zu verschieben erweist sich am

nächsten Tag als kluge Entscheidung. Beim Aufwachen

blinzelt uns die Sonne in's Gesicht und

Dieter Edel verkündet nach einem Blick auf sein

Handydisplay, es würde wohl heute ein super

Sonnentag werden. Wie geschaffen also, den Großglockner

zu erstürmen. Der Berg ist mit 3798 Metern

der höchste Berg Österreichs und die gleichnamige

Hochalpenstraße verbindet als hochalpine Gebirgsstraße

die beiden österreichischen Bundesländer

Salzburg und Kärnten. Die Straße ist erstklassig ausgebaut

und wird wetterabhängig etwa ab Mai

mittels spezieller Schneefräsen in mehreren Lagen

schneefrei gefräst. Es ist schon ein beeindruckendes

Erlebnis, mitten im Sommer unter wärmenden

Sonnenstrahlen auf schön geschwungene Serpentinen

dahin zu gleiten, wenn sich rechts und links des

Weges der Schnee bis in eine Höhe von 2 Metern

auftürmt. Aber dazu muss man natürlich erst einmal

die zahlreichen Spitzkehren (27 an der Zahl) bis in

die alpinen Regionen der Strecke hinauf kraxeln.

Auf etwa 2500 Metern, kurz vor dem "Fuscher Törl",

zweigt links der Weg zur 2571 Meter hoch gelegenen

Edelweißspitze ab. Über originales

Kopfsteinpflaster, das noch aus dem Erbauungsjahr

1935 stammt, führt die Straße in sieben weiteren

Kehren zu einem grandiosen Aussichtspunkt in

Mitten von über 30 Dreitausendern. Bei herrlichem

Sonnenschein war das für alle ein beeindruckendes

Erlebnis. Nur mein Zuckerhuhn hat in dieser Höhe

schon erhebliche Probleme mit der dünnen Luft und

auch am Trike ist ein Leistungsabfall feststellbar.

Weiter geht's. Wie Dieter in seinen Tourunterlagen

schreibt, "... hat das Auge Zeit, während der Fahrt

ein wenig durch die Hochgebirgslandschaft zu wandern

...". Im günstigsten Fall trifft das auf das Auge

des Beifahrers zu. Als Fahrer muss man sich entscheiden

zwischen endlosem Fahrspaß von Kehre zu

Kehre, oder eben genüsslichem dahin gleiten in den

unendlichen Weiten schneebedeckter Gipfel. Die auf

gemeinsamen Touren naturgemäß ausgeprägte

Gruppendynamik tendiert erfahrungsgemäß dann

doch eher dazu, "dran zu bleiben", auch wenn der

Tourguide immer wieder darauf verweist, dass jeder

so fahren möge, wie er denn will. Im Nachhinein

betrachtet ist das eher schade und beim nächsten

Mal nehmen wir uns vor, wir wollen's langsamer

angehen lassen.

Die Abfahrt führt uns über einen Abzweig zur

Franz-Joseph-Höhe und wir parken unsere

Dreiräder ganz oben auf dem halb schneebedekkten

Dach des dortigen Besucherzentrums. Der

Aussichtspunkt ist nach einem Besuch des

Kaiserpaares Franz Joseph I. und seiner Elisabeth

benannt, allseits bekannt unter dem Namen "Sisi".

Er bietet eine wunderbare Aussicht auf den

Pasterzengletscher, der sich von Jahr zu Jahr immer

weiter in den Berg zurückzieht.

Heimwärts geht's über die wunderbar ausgebaute

Felbertauernstraße in den Nationalpark Hohe

Tauern und durch den gleichnamigen, über 5

Kilometer langen Tunnel.

Kurz vor der Ankunft in unserem Quartier genehmigen

wir uns noch einen kurzen Ausblick auf die

Krimmler Wasserfälle, die mit einer gesamten

Fallhöhe von 380 m die höchsten Wasserfälle Österreichs

darstellen.

Der kulinarische Höhepunkt des Tages war eine riesige

Portion Schweinshaxe, die sich einige aus unserer

Gruppe am Vorabend extra bestellt hatten. Es

sollte nicht die letzte sein.

Der Sonntag schließt an das wunderbare Reisewetter

des Vortages an. Die Heimreise steht an. Nun wäre

es keine Edeltrikertour, wenn sich der Chef nicht

auch noch für diesen Tag eine wunderschöne Route

ausgedacht hätte. Zunächst führt uns die Route am

Achensee vorbei und beim Tanken treffen wir sogar

auf eine weitere Gruppe Trikes aus dem Raum

Deggendorf. Am Walchensee beschließen wir zu

rasten und als wäre es die normalste Sache der

Welt, treffen wir dort auf heimreisende Trikerfreunde

aus Holzkirchen. Der Walchensee und die Gegend

um Kochel sind nach erstem Eindruck für sich schon

einen eigenen Urlaub wert und wir beschließen,

demnächst mal intensiver darüber nachzudenken.

Unsere Tour führt uns jetzt zum Kloster Andechs.

Allein die Tatsache, dass Sonntag ist und die Sonne

scheint, ist wohl für halb Deutschland Grund genug,

es uns gleich zu tun. Jedenfalls ist entgegen aller

Erwartungen im Kloster der Teufel los, wenn man

das mal so gotteslästerlich sagen darf. Die Zeit ist

 

ohnehin knapp und so reicht es bestenfalls zur

Verkostung einer nicht mal im Ansatz beherrschbaren

Riesen-Riesen-Schweinshaxe. Wer Beifahrer ist,

kann sich am weltweit bekannten Andechser

Doppelbock laben. Mir ist die Freude leider nicht

vergönnt und ich beschließe insgeheim: Zuckerhuhn

muss unbedingt Trikefahren lernen!.

Wegen dem Ferienende in Baden Württemberg

bleibt uns auf der A7 nur der Entschluss, den Rest

der Strecke über Land zurück zu legen. Sichtlich

geschafft und auf den letzten 20 Kilometern auch

noch mal ordentlich eingeweicht landen wir schließlich

wohlbehalten wieder im verkehrstechnisch hermetisch

abgeriegelten Mühlacker.

Am Ende bleiben viele neue Eindrücke aus

Gegenden, die sich unbedingt lohnen, (an)gesehen

zu werden. Es bleiben neue Bekanntschaften und

Erfahrungen mit einer neuen

Generation Trikes. Und es bleibt

natürlich auch die Vorfreude auf

unseren "Blauen", den wir bis

September noch in guten Händen

wissen.

An alle, die dabei gewesen sind:

man sieht sich - on the road again

...

Viele liebe Grüsse von IronHorse

und seinem Zuckerhuhn.

Zillertal/Großglockner-Tour